Nor­bert Lach­mund

RECHTS­AN­WALT

Ge­gener­lis­te


Seit ei­ni­gen Jah­ren dür­fen An­wäl­te mit „Re­fe­ren­zen“ und ei­ner „Geg­ner­lis­te“ Wer­bung ma­chen. Die­se bei­den Mög­lich­kei­ten ste­hen gleich­be­rech­tigt ne­ben­ein­an­der.

„Re­fe­ren­zen“ hal­te ich für al­bern. Bei nur 20 Ver­fah­ren im Be­reich Be­rufs­un­fä­hig­keits­ver­si­che­rung im Jahr fin­den sich mit Si­cher­heit 5 Man­dan­ten, wel­che sich über ein ge­won­ne­nes Ver­fah­ren freu­en.

Mit an­de­ren Wor­ten, fünf sehr gu­te Re­fe­ren­zen sind nichts Be­son­de­res. Man müss­te schon 16 von 20 Ver­fah­ren ver­lo­ren ha­ben um Schwie­rig­kei­ten zu be­kom­men, die­se Re­fe­ren­zen zu fin­den.

Et­was an­ders ver­hält es sich bei der Geg­ner­lis­te. Teilt ein An­walt auf der Home­page mit, wel­che Ver­fah­ren er ge­gen wel­chen Ver­si­che­rer ge­won­nen hat, so er­freut dies die Ver­si­che­rer mit Si­cher­heit nicht. Im Ge­gen­teil.

Wer­den die Ver­si­che­rer oft ge­nannt, so könn­te dies et­wai­ge Neu­kun­den ab­schre­cken. Denn im­mer­hin be­deu­tet ei­ne oft­ma­li­ge Nen­nung, dass der je­wei­li­ge Ver­si­che­rer dem bis­he­ri­gen Kun­den sei­ne ihm zu­ste­hen­den Leis­tungs­an­sprü­che rechts­wid­rig vor­ent­hal­ten woll­te.

Ge­hört man zu der Grup­pe von An­wäl­ten, die so­wohl Ver­si­che­rer als auch Ver­si­cher­te ver­tre­ten, hat man da­mit ein Pro­blem.

Der­ar­ti­ge An­wäl­te wol­len ih­ren Dau­er­auf­trag­ge­ber, die XY-Ver­si­che­rung, nicht ver­är­gern. Schlie­ß­lich wün­schen sie sich wei­te­re lu­kra­ti­ve Man­da­te in der Zu­kunft.

Ich ver­tre­te nur Ver­si­cher­te, da­her ha­be ich die­ses Pro­blem nicht. Ich kann die Mög­lich­keit nut­zen, auf­zu­zei­gen, ge­gen wel­che Ver­si­che­rung ich oft­mals ge­win­ne.

Da mei­ne Home­page dem Be­su­cher nut­zen soll, ha­be ich die Ver­fah­ren aus­ge­sucht, in wel­chen die üb­li­chen Pro­ble­me den Tä­tig­keits­schwer­punkt bil­de­ten.

Nun zur „Geg­ner­lis­te“:

1. Alte Leipziger recherchiert den Internetauftritt der Versicherten in Frankfurt

P ./. Alte Leipziger LG Frankfurt
Vergleich über 10.000,00 €

Die Mandantin war nach Einschätzung der eigenen Ärzte wohl noch nicht berufsunfähig. Außerdem war sie als kleine Gewerbetreibende noch beruflich aktiv, wenn auch nur noch für wenige Stunden in der Woche. Was sie nicht erwartet hatte: Die Versicherung stellte durch eine Internetrecherche fest, dass sie noch als Selbständige arbeitete und der Laden noch geöffnet war.

2. Aachen-Münchener setzt Außendienstmitarbeiter und Detektive zur Überprüfung des Sachverhalts in Frankfurt ein

B ./. Aachen Münchener LG Frankfurt
Vergleich über 25.000,00 €

Der Mandant betrieb ein kleines Restaurant und konnte körperlich anstrengende Arbeiten nicht mehr ausführen. Die Versicherung verlangte von ihm eine Umstrukturierung der Aufgabenverteilung.

3. Allianz streicht die BUZ-Leistung für einen Selbständigen in Darmstadt

E ./. Allianz LG Darmstadt
Vergleich über 40.000,00 €

Problem: Der Mandant war schon länger berufsunfähig. Er hatte sich an seine Behinderung gewöhnt und erledigte nur noch körperlich nicht so anstrengende Teiltätigkeiten.

4. W. ./. Continentale

LG Gießen
Vergleich über 55.000,00 €

Die Leistungsverweigerung der Versicherung wurde mit Obliegenheitsverletzungen begründet. Der Mandant soll bei der Antragstellung nicht alle wesentlichen Erkrankungen angegeben haben.

5. Gerichtsverfahren in Aschaffenburg notwendig, da die Nürnberger Versicherung mit einem fehlerhaften Gutachten die Rente entziehen wollte

G ./. Nürnberger LG Aschaffenburg
Vergleich 80.000,00 €

Hoch streitig war hier, ob eine Berufsunfähigkeit vorliegt. Es gab ein im Auftrag der Versicherung erstelltes Gutachten, wonach der Mandant nicht berufsunfähig war.

6. Ein Selbständiger mit einem Betrieb in Hanau und der Volkswohlbund einigen sich außergerichtlich

R. ./. Volkswohlbund
Außergerichtlichter Vergleich über 143.000,00 €

Hier bestand dasselbe Problem wie im Fall 2. Die Versicherung hat das Recht von einem Selbständigen in gewissen Grenzen verlangen zu können, dass er seine Betriebsorganisation umstellt und er körperlich nicht so anstrengende Tätigkeiten noch ausübt.

7. A. ./. Nürnberger

LG Nürnberg

Urteil über Zahlung einer monatlichen Berufsunfähigkeitsrente, insgesamt ein Betrag von über 270.000,00 €
Hier war das Vorliegen einer Berufsunfähigkeit und ein Verstoß gegen die Mitwirkungspflicht streitig.